Marley (eigentlich Timless Golden HankyPanky Marley) trat im Dezember 2009 in unser Leben. Meine Frau wollte damals einen Golden Retriever und suchte nach Züchtern in den näheren Umgebung. Nachdem wir uns mehrere Züchter und auch Hunde angesehen hatten, entschieden wir uns für eine Züchterin in Solingen und Marley zog bei uns ein. 

An die erste Zeit erinnere ich mich leider kaum noch, außer dass wir damals immer noch Nachts zusammen die kleine Maus aus dem 2. Stock runter getragen haben damit sie sich lösen kann. Mit zunehmendem Gewicht wurde das etwas beschwerlich und ich war froh als sie auch Nachts dann einhalten konnte.

Aus heutiger Sicht war mein Wissen um die Erziehung von Hunden damals irgendwo zwischen eher gering und nicht existent. Marley jagte Fahrradfahrer, Vögel und was sonst so einen Bewegungsreiz auslösen konnte und ich hatte keinen blassen Schimmer was ich dagegen tun sollte. Unser damaliger Hundetrainer gab uns tatsächlich den Rat „du musst die mal runterdrücken, damit die versteht wer das Sagen hat“…..und das tat ich dann auch…..was durch diese Methoden so an Vertrauen kaputt gegangen ist in unserem Verhältnis kann ich heute nur erahnen. 

Nachdem Marley dann am Strand einer Möve nach der anderen hinterherjagte und nach 10min nur noch ein Punkt am Horizont war musste eine Pfeife her (Rat des Hundetrainers)…tolle Idee…..leider hat mir niemand gesagt dass man ein Kommando erstmal konditionieren muss…..ich bin wirklich davon ausgegangen dass der Hund weiß was ich von ihm will wenn ich 2x in die Pfeife puste…..von Lerntheorie keine Ahnung und auch keinen Trainer der mir das erklärt hätte.

Also – Problem bestand nach wie vor und dann ein weiterer Rat….mach doch Dummytraining…..das können die Goldies doch……fand ich super, weil ich ja verstanden hatte dass der Hund das in die Wiege gelegt bekommen hatte. 

Also ein weiterer Trainer für Dummytraining………..das Training gestaltete sich immer nach dem Motto…ich werfe ein Dummy und du schickst deinen Hund….mal auf dem Platz oder einer Wiese, mal am Wasser oder im Wald. Klappte mal und mal auch nicht……Anleitung was ich besser machen könnte, Hinweise auf Fehler oder Übungen für zu Hause gabs nicht……es kam wie es kommen musste……spätestens am Wasser macht Marley was sie wollte und ich gab völlig entnervt mitten im Training auf……natürlich war Marley Schuld…..sie konnte das doch und wenn sie nicht hörte oder gehorchte war sie halt stur……so war meine Lesart der Situation damals und wenn ich das heute niederschreibe tut es mir unglaublich weh wie ungerecht ich sie behandelt habe. 

Wir haben dann erfolgreich eine BHP absolviert mit Sitz, Platz, Bleib, auf einem anderen Hundeplatz (wieder ein anderer Trainer) und ich war stolz dass wir das hinbekommen haben. Blöderweise hat das die Probleme ausserhalb des Platz nicht verbessert – auch dass habe ich damals nicht verstanden und auch dieses Phänomen hat mir niemand erklärt. Auf dem Platz alles super – Rückruf, Fuß gehen, Sitzen bleiben und warten…..dann am Ende der Stunde vom Platz zum Auto, ein Hase springt übers Feld und Marley war weg……Rufen, Pfeife……kein Effekt…..und so war der Eindruck der tollen Stunde auf dem Platz direkt wieder dahin.

So reihte sich ein Misserfolg im Training an den nächsten und am Ende habe ich es aufgegeben. 

Dummy werfen ging dann immer so lange bis Marley eine andere Idee hatte und dann musste ich einfach schneller sein als sie damit sie nicht wieder eigenen Ideen folgte. 

2017 dann im Urlaub auf Texel der Schock. Ich war mit Marley und Heaven am Strand und warf ein paar Dummies ins Wasser. Immer abwechselnd, sodass ich mich mal auf den einen und dann auf den anderen Hund konzentrierte. Nachdem Heaven mit ihrem Dummy wieder aus dem Wasser kam drehte ich mich zur Seite und sah Marley im Wasser auf der Seite liegen. Sie zuckte am ganzen Körper und im ersten Moment dachte ich sie sei nur umgefallen und würde ich wieder aufrichten. Dann rannte ich zur ihr und trug sie aus dem Wasser, aber sie rührte ich schon nicht mehr. Ich legte sie ab, schaute kurz nach Heaven und versuchte Marley dann wieder zu beleben. Ich war total panisch. Eine Passantin kam mir zu Hilfe und zusammen versuchten wir die Maus wieder zurück zu holen. Sie massierte das Herz und ich versuchte Luft durch die Nase in den Hund zu pusten. Keine Ahnung wie lange dass so ging. Zwischendurch hatte ich dann mal den Eindruck sie hätte es geschafft, aber dass war dann ein Trugschluss. Die Passantin verabschiedete sich und ich blieb mit einem toten und einem total aufgekratzten Hund am Strand zurück. 

Was danach kam war einfach nur schrecklich und traumatisch. Die Familie war zu der Zeit in der Seehundstation und man kann sich die Reaktionen ausmalen, als sie hörten was passiert war. Wir haben Marley dann zum örtlichen Tierarzt gebracht und sie wurde in Holland kremiert. Nach 2 Tagen konnten wir sie abholen und fuhren dann mit ihr wieder heim.

Marley war eine so großartige Hündin, die ich einfach zu ihren Lebzeiten nicht zu schätzen wußte. Dies wurde mir in der Trauer danach erst klar und schlußendlich war sie der Grund warum ich mich entschloss eine Ausbildung zum Hundetrainer zu machen. Ich habe leider zu spät erkannt dass ich mit einer besseren Anleitung durch einen guten Trainer ein wesentlich bessere Beziehung zu Marley hätte ausbauen können. Am Ende bin ich ihr nicht gerecht geworden und diese Erkenntnisse wollte ich dann nach einer fundierten Ausbildung weitergeben, damit andere nicht die gleiche Erfahrung machen. Das ist es auch was mich seitdem im Hundetraining antreibt.